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Venusbedeckung 2008 in Bonn

ECHTE, FALSCHE & KÜNSTLICHE MONDE

Musik: "King of the Fairie" (trad.), sequenced by Barry Taylor
PLANUNG

Nach den Mondfinsternissen am 21.02.2008 und am 16.08.2008 sowie der Sonnenfinsternis am 01.08.2008 stand am 01.12.2008 das vierte und letzte große astronomische Ereignis des Jahres 2008 an. Die Tatsache, dass am Tag der Venusbedeckung durch den Mond zugleich die Konjunktion zwischen Venus und Jupiter eintrat, also die 3 hellsten Himmelskörper eng beieinander standen, machte den besonderen Reiz dieser Bedeckung aus. Hinzu kam natürlich, dass sie zu einer günstigen Uhrzeit stattfinden würde. Die Konjunktion zwischen Venus und Jupiter kündigte sich seit einigen Wochen an; erste Fotos der beiden den Abendhimmel dominierenden Planeten gelangen am 10.11.08 und am 13.11.08 in China sowie am 14.11.08 auf dem Rückflug nach Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits die Planungen für eine öffentliche Beobachtung des Ereignisses durch die Volkssternwarte Bonn. Bei einer Besprechung am 24.11.08 wurden die Details abgesprochen, am Tag danach wurde die Pressemitteilung verschickt und schon am Mittwoch, 26.11.08, erschien im Bonner General-Anzeiger ein entsprechender Bericht. Nun benötigten wir nur noch gutes Wetter ... doch die Vorhersagen waren alles andere als ermutigend. Es sah zwei Tage vor dem Ereignis nicht so aus, als ob wir hier in Bonn das letzte Event der "Big Four" des Jahres 2008 würden beobachten können.

Den ungünstigen Wetterprognosen zum Trotz steht am Samstag, 29.11.08, eine kurze Inspektion des Beobachtungsortes an, der sich auf einer kleinen Wiese an der Westseite des Argelander Instituts für Astronomie der Universität Bonn befindet. Von hier hat man über ein benachbartes Feld ziemlich freien Blick nach Westen bis fast zum Horizont hinunter: Panoramavideo (mp4, 1.4mb) und Luftbild. Der Boden erweist sich als etwas aufgeweicht, aber in einem noch erträglichen Maß.
Da sich am nachfolgenden Sonntag gegen Sonnenuntergang größere Wolkenlücken zeigen, entscheide ich mich spontan zu einer Probebeobachtung am oben beschriebenen Ort, deren Resultate als Kurzbericht mit Fotos und Videos in verschiedenen Astro-Foren gepostet wird (Astro!nfo, Astronation, Astronomie.de, Astrotreff und AKM).

Venus und Jupiter
Venus und Jupiter über dem Ortsrand von Bonn-Endenich; aufgenommen am 30.11.08 um 17:34 MEZ.
Dieses Foto in Originalgröße (3264 * 2448 px, 870 kb)
ÜBERRASCHUNGEN

Der 1. Dezember bringt dann zunächst zwei Überraschungen. Zum einen ist das Wetter am frühen Nachmittag besser als für diesen Zeitpunkt erwartet; die aktuellen Prognosen und Satellitenbilder deuten auf eine kleine Chance hin, dass Ereignis doch noch beobachten zu können. Zum anderen scheint das Interesse an der Venusbedeckung doch recht groß zu sein, vielleicht weil sie als außerordentlich seltenes Ereignis angekündigt worden ist. Die Besucherzahlen unserer Infoseite sind jedenfalls erstaunlich hoch; gegen Mittag ruft das Patientenradio Wiesbaden an und bittet um ein kurzes Telefoninterview, das ich gerne gebe. Später meldet sich eine Dame vom Bayerischen Rundfunk hilfesuchend bei uns. Der Sender möchte wohl etwas zur Venusbedeckung bringen, ist aber jetzt angesichts der desolaten Wetterlage in Bayern auf der Suche nach einem Webcasting. Ich verweise sie auf AstroNation, kann ihr jedoch angesichts der absehbaren Wetterlage im Rhein-Main-Gebiet nicht viel Hoffnung machen. Angela nimmt dann den Anruf einer Dame entgegen, die offenbar nach Zuhörern für esoterische Weisheiten über die Venusbedeckung sucht. Nun ja, das Gespräch ist schnell beendet ...

Gegen 15:45 Uhr fahre ich vom Büro aus Richtung Beobachtungsort. Wider Erwarten komme ich ganz gut durch den beginnenden Berufsverkehr und bin bereits um 16:00 Uhr am Beobachtungsort. Inzwischen hat sich eine hohe, aber dünne Wolkenschicht ausgebreitet, die aber noch einige Lücken aufweist. Die Frage ist jetzt, ob letztere zur rechten Zeit an der passenden Stelle des Himmels sein werden.

Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 18 vom 01.12.2008, 12.48 UT
Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 18 vom 01.12.2008, 13.48 MEZ.
Image courtesy to Dundee Satellite Receiving Station, Dundee University, Scotland.
WATCHING THE WATCHERS

Ein Vereinsmitglied ist bereits mit dem Aufbau seines Teleskops beschäftigt. Ich stelle mein Stativ daneben, um einige Fotos des farbenprächtigen Sonnenuntergangs zu machen. Später wird diese Stelle aber suboptimal sein, weil hier eine der Laternen stört, die den Fußweg beleuchten. Jedenfalls habe ich diese Erfahrung am Vorabend gemacht. Weitere Vereinsmitglieder, die jetzt nach und nach eintreffen, bauen dann auch weiter links auf, weshalb ich meinen Standort ebenfalls dahin verlagere. Offenbar ist auch in Bonn ein gewisses Medieninteresse aufgekommen; ein Team von WDR Lokalzeit hat sich angekündigt, ist aber zunächst offenbar zum Vereinssitz in der Poppelsdorfer Allee gefahren. Gegen 16:25 sind der Kameramann und die Journalistin dann aber bei uns, wie auch zahlreiche interessierte Besucher, darunter eine ganze Schulklasse. Da sich dort, wo der Mond nachher die Venus bedecken wird, eine dickere Wolkenbank befindet, können wir leider nicht viel Hoffnung machen, dass es etwas zu sehen geben wird. Doch erst einmal lauschen die Leute aufmerksam den Erläuterungen einiger Vereinsmitglieder. Dies wird vom Kameramann des WDR gefilmt, der bei dieser Tätigkeit wiederum von mir gefilmt wird ... Watching the Watchers (Video, mp4, 591 kb).
Paul Hombach erklärt dem Fernsehteam dann auf seinem Notebook das Geschehen, das wir wahrscheinlich gleich nicht sehen werden. Paul muss das mehrfach machen, bis der Kameramann alles zu seiner Zufriedenheit abgefilmt hat. Ich belasse es bei einem Versuch, diese Situation zu dokumentieren (Video, mp4, 923 kb).
Eine kurze Zählung ergibt, dass sich inzwischen etwa 60 Personen um die Teleskope und Feldstecher versammelt haben (Panoramavideo, mp4, 625 kb) und der Dinge harren, die da hoffentlich kommen.

Ein prachtvoller Sonnenuntergang
Ein prachtvoller Sonnenuntergang, andeutungsweise ist eine Obere Lichtsäule zu erkennen;
aufgenommen um 16:11 MEZ. Dieses Foto in Originalgröße (3264 * 2448 px, 853 kb)
Goldene Wolken
Gegenlicht und manuell etwas verringerte Belichtungszeiten zaubern goldene Wolken aufs Bild;
aufgenommen um 16:21 MEZ. Dieses Foto in Originalgröße (3264 * 2448 px, 750 kb)
Goldene Wolken
Das Interesse an unserer Veranstaltung ist erfreulich groß; aufgenommen um 16:42 MEZ.
Dieses Foto in Originalgröße (3264 * 2448 px, 1.4 mb)
FALSCHE UND ECHTE MONDE

Um 16:45 erfolgt der erste Überflug der ISS am heutigen Abend. Doch der Himmel ist wenige Minuten nach Sonnenuntergang noch hell und die hohe Bewölkung hat auch im Zenit zugenommen, weshalb wir von der Raumstation nichts zu sehen bekommen. Leider scheint das auch für die Venusbedeckung zu gelten, zumal jetzt auch noch von Westen eine weitere niedrige Wolkenschicht heranzieht. Dann sichten ein paar Leute einen hellen, sichelförmigen Fleck zwischen den Wolken. Ist das etwa der Mond? Die Stelle stimmt ungefähr, aber ich kann beim besten Willen mit dem Fernglas nichts anderes als eine etwas hellere Wolke erkennen. Während noch gerätselt wird, verstreicht die Minute, in der der Mond sich vor die Venus schiebt. Und wie zum Hohn - keine 2 Minuten später taucht der Erdtrabant dann tatsächlich auf; allerdings nicht da, wo er eben vermutet wurde, sondern weiter links, also weiter südlich. Hastig macht jeder ein paar Fotos, eigentlich zur Frustbekämpfung, denn eine wolkenverhangene Mondsichel ist nun wirklich kein sensationeller Anblick.
Dann spricht sich rum, dass Tobias Kampschulte Mond und Venus mit seinem Camcorder erwischt hat. Während alle anderen durch den "falschen" Mond abgelenkt waren, hat er zufällig den echten bereits 2 Minuten vor uns gesichtet und mit der Videokamera einfach draufgehalten. Erst beim Kontrollieren der Aufnahme war dann auch die Venus zu sehen, mit dem Fernglas hatte Tobias sie nicht aufspüren können. Mehrmals schauen wir uns die Aufzeichnung auf dem kleinen Display mit mehreren Leuten an; offenbar hat Tobias den Moment der Bedeckung gefilmt, denn die Venus wird immer lichtschwächer und verschwindet dann ganz.
Noch einer der Teilnehmer hat Glück gehabt; im Gegensatz zu Tobias war Frank Gasparini mit einem Fernglas erfolgreich (Bericht).

Mehrere Wolkenschichten
Kurz vor der Venusbedeckung herrscht am Himmel graue Tristesse; aufgenommen um 16:41 MEZ.
Dieses Foto in Originalgröße (3264 * 2448 px, 944 kb)
Mond hinter Wolken
Wenige Minuten nachdem er sich vor die Venus geschoben hat, wird der Mond hinter den jetzt dünner gewordenen Wolken sichtbar. Am oberen Bildrand ist sogar Jupiter schwach erkennbar;
aufgenommen um 17:03 MEZ. Dieses Foto in Originalgröße (3264 * 2448 px, 925 kb)
ECHTE UND KÜNSTLICHE MONDE

Für die Besucher ist jetzt die Luft raus, die 80 Minuten, bis der Mond die Venus wieder freigibt, sind als Wartezeit wohl zu lang. Das Fernsehteam wiederum kann gar nicht mehr lange warten, weil der Bericht bereits kurz vor 19 Uhr auf Sendung gehen soll und bis dahin noch geschnitten werden muss. Immerhin fand die junge Journalistin den großen Zuspruch, den die Veranstaltung gefunden hatte, so beeindruckend, dass sie trotz des weitgehenden Beobachtungs-Misserfolgs auf jeden Fall etwas senden möchte. Tatsächlich bringt der WDR dann in der Lokalzeit einen halbminütigen Kurzbericht, in dem man einige Vereinsmitglieder sieht.
Die Vereinsmitglieder sind jedenfalls für den Rest des Abends unter sich. Da es nicht extrem kalt ist und um 18:30 Uhr ein Vorbereitungstreffen für die Vereinsveranstaltungen im Rahmen des IAY im Hörsaal des Argelander Instituts stattfindet, wird die Beobachtung fortgesetzt. Immerhin wird zwischenzeitlich Jupiter sichtbar, und auch das Sommerdreieck setzt sich am dunkler werdenden Himmel besser gegen die dünne Wolkenschicht durch; im Fernglas kann ich mühelos den Doppelstern in der Leier (Epsilon Lyrae) ausmachen. Somit keimt neue Hoffnung auf, doch noch den Austritt der Venus verfolgen zu können.
Erst einmal warten wir auf einen hellen Flare (-6 mag) des Iridium-Satelliten mit der Nummer 57 (Ground Track Plot, Sternkarte, Daten des Überflugs). Ich stelle die Kamera auf maximalen Weitwinkel, um ihn auf jeden Fall zu erwischen. 40 Sekunden vor dem vorausberechneten Zeitpunkt des Flares starte ich eine 60sekündige Dauerbelichtung. Oft erprobt, klappt es auch heute - die typische spindelförmige Strichspur des flarenden Kunstmondes ist in dem ansonsten überbelichteten Foto tadellos abgebildet.

Daniel Fischer war zwischendurch oben im Institut und hat für uns Bilder eines Webcastings aus Cornwall auf seinem Laptop abgespeichert - dort konnte die Bedeckung der Venus bislang unter einwandfreien Bedingungen beobachtet werden.
Gut eine Stunde lang war die Mondsichel hier in Bonn fast durchgehend hinter den Wolken sichtbar; doch etwa 15 Minuten vor dem Austritt der Venus ist dann der Eintritt des Mondes hinter einer Wolkenbank zu verzeichnen. Die niedrige Wolkenschicht, die schon kurz vor 17 Uhr aufgezogen, aber zwischenzeitlich nach Nordwesten abgedriftet war, zieht jetzt wieder Richtung Osten und vor den mittlerweile tief stehenden Mond. Obwohl es nun wirklich aussichtlos ist, warten wir die verbleibenden 10 Minuten auch noch ab. Immerhin können wir uns mit dem größten künstlichen Mond der Erde trösten - um 18:20 Uhr erfolgt der zweite zenitnahe Überflug der ISS (Ground Track Plot, Sternkarte, Daten des Überflugs). Und diesmal ist sie problemlos sichtbar, wenn sie auch auf Grund der Bewölkung fast im Sekundentakt ihre Helligkeit ändert. Entsprechend fällt die Strichspur auf meiner erneut 60sekündigen Dauerbelichtung aus.

Iridium 57
Flare des Satelliten Iridium 57, Helligkeit etwa - 6.0 mag; aufgenommen um 17:48 MEZ.
Dieses Foto in Originalgröße (3264 * 2448 px, 984 kb)
Mond hinter Wolken
Strichspur der ISS hinter Wolken, Helligkeit etwa -3.0 mag; links davon oben Deneb und unten Wega; aufgenommen um 18:20 MEZ.
Dieses Foto in Originalgröße (3264 * 2448 px, 1.06 mb)
PLANUNG

Nachdem die ISS sich verabschiedet hat, kommt noch einmal richtig Leben in die Beobachtertruppe. Eilig werde die Geräte abgebaut und schon 10 Minuten später treffen wir uns im Hörsaal des Argelander Instituts, um die öffentlichen Beobachtungen der kommenden Monate zu planen. Und eines ist sicher: irgendwann werden wir bei so einer Aktion auch wieder klaren Himmel haben.

Planungstreffen
Zumindest auf der Leinwand ist der ein wolkenfreier Sternenhimmel 2009 zu sehen;
aufgenommen um 18:38 MEZ.