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UNWETTER UND SATURNBEDECKUNG IN BONN

Dienstag, 22. Mai 2007
Nachdem die erste Saturnbedeckung des Jahres 2007 hier in Bonn den Wolken zum Opfer gefallen war (Bericht), waren auch die Wetteraussichten für die zweite Auflage am 22.05.2007 nicht günstig. Angesagt waren Wärmegewitter; da die Konvektion häufig bereits vor Sonnenuntergang zusammenbricht, schien die Chance auf eine erfolgreiche Beobachtung aber durchaus noch gegeben. Deshalb hatte ich auch Fernglas und Fotoausrüstung mit ins Büro genommen, letztere auch für den Fall, dass es interessante Wettererscheinungen geben würde. Das unbestimmte Gefühl, dass in dieser Hinsicht etwas bevorstand, sollte sich in der Tat als zutreffend erweisen ....
15.45:
Angesichts der Schwüle, die bereits am Vormittag geherrscht hat, ist es nicht überraschend, dass es schon relativ früh am Nachmittag donnert. Mit der Kamera gehen wir ans hintere Bürofenster, wo wir Zeuge eines extrem heftigen Regenschauers werden. Dabei weht praktisch kein Wind, ein regelrechter Wasservorhang fällt senkrecht vom Himmel. So können wir das Fenster öffnen und das Spektakel filmen. Dann ein Blick aus der Vordertür: in den Gossen läuft ordentlich was ab. Ein Blick ins Wetterradar der Uni Bonn zeigt eine kräftige Gewitterzelle über Bonn.
16.20:
Angi verabschiedet sich für heute; ich gehe mit raus, weil ich mein Auto umparken muss - ab 16.00 Uhr ist dort, wo ich jetzt stehe, Anwohnerparkzone. Ich finde aber rasch einen neuen, legalen Platz. Als ich zum Büro zurückkomme, trifft Rico von Eclipse City bereits ein; er ist etwas früher dran, als erwartet. Wir holen uns nebenan in der Bäckerei 2 Kaffee, dann schauen wir uns die DVD von der Sonnenfinsternis 2006 an, die gerade die letzte Überarbeitung erfährt.
17.05:
Während wir das Video schauen, wird es plötzlich sehr dunkel im Raum und draußen prasselt es wieder richtig los. Ich schnappe die Kamera, öffne die Vordertür - und staune: was da vom Himmel fällt und über die Hausdächer schwappt, sind regelrechte Wasserfälle; dazu weht ein stürmischer Wind, der Laub und anderen Kram durch die Regenwände treibt. Kein Hagel, nur Regen - aber solche Mengen habe ich noch nie gesehen (mp4-Video, ca. 2mb). Nach einer guten Minute traue ich mich zwei Schritte vor und schaue die Weberstraße runter - es schüttet aus allen Rohren, aber die Sicht ist noch halbwegs gut. Ich bin in Augenblicken pitschenass und ziehe mich ins Büro zurück. Noch ein Blick aus dem hinteren Frenster - da platscht das Wasser nur so gegen. In diesem Moment zeigt das Wetterradar eine sehr kleine, aber sehr kräftige Gewitterzelle über Bonn - sonst ist es in 100 km Umkreis weitgehend regenfrei.
17.40:
Das SoFi-Video ist durchgelaufen und wir haben noch ein paar dringende Dinge besprochen, bevor Rico jetzt geht. Ich schaue mich draußen um, es regnet längst nicht mehr, das Wasser steht nur noch in der Baugrube vor dem Nachbarhaus. In diesem Moment ruft Angi an und berichtet, dass sie durch das Unwetter gefahren sei. Die Sicht war praktisch null. Und jetzt steht sie seit einer halben Stunde in Staus, da zahlreiche Bäume umgestürzt sind. Das war offenbar viel heftiger als ich zunächst gedacht hatte; von hier aus sehe ich zwar stockenden Verkehr auf der Adenauerallee, aber keine Schäden. Ein Blick in den Garten: da liegen nur Blätter und kleine Zweige. Ich schließe das Büro ab und gehe die paar Meter zur Adenauerallee. Im Vorbeigehen grüße ich Margot, die nette Nachbarin, die mit ihrer kleinen Tochter gerade in der Bäckerei ist. An der Kreuzung angekommen, sehe ich dann in der Tat einen größeren Schaden: im Park vor dem Ernst-Moritz-Arndt-Haus sind zwei dicke Äste abgebrochen und auf Autos gekracht, die in der Zweiten Fährgasse abgestellt waren. Zumindest ein Wagen hat nicht unbeträchtliche Blechschäden erlitten.
Also zurück zum Büro und die Kamera geholt. Kaum habe ich ein erstes Foto der Situation gemacht, da fängt es wieder an zu regnen. Dieser Schauer ist zwar harmlos, aber schon recht kräftig. Ich finde in der Tiefgarageneinfahrt des ehemaligen Postministeriums Unterschlupf, bis der Regen nach etwa 10 Minuten wieder nachlässt. Ich nutze die Zeit, um meine Eltern anzurufen. Wie vermutet, hat der Wind dort mal wieder alle Blumentöpfe durcheinander geworfen. Schlimmer ist allerdings, dass das Abflussrohr auf der Terrasse mit den Wassermengen nicht mehr fertig geworden ist. Das Wasser ist erst auf der Terrasse stehen geblieben und dann unter einer Tür her in die Wohnung gelaufen. Trotz Gegenmaßnahmen ist der Teppichboden völlig durchnässt. Auch meine Eltern berichten von "Wasserfällen", die von den Dächern gekommen seien.
Als der Regen nachlässt, schaue ich mich am Rheinufer um; Richtung Erste Fährgasse steht soviel Wasser, dass die Autos umkehren und sich in den Stau auf der Adenaueralle stellen müssen. Die Überschwemmung dürfte dadurch verursacht worden sein, dass das Wasser gegen den Grundwasserdruck, der vom Rhein ausgeht, nicht ankam. Als ich einen abgebrochenen Ast knipse, hält ein Radfahrer an und weist mich darauf hin, dass es im Hofgarten viel mehr zu fotografieren gäbe, u.a. gespaltene Bäume. Daher also der Stau auf der Adenauerallee. Ich beschränke mich aber darauf, noch ein kurzes Video der Äste auf den beiden Autos zu drehen.
Dann schaue ich mal nach meinen eigenen Wagen; das stand zwar nicht unter Bäumen, aber dennoch ... es ist wie erwartet alles ok. Ok ist jetzt auch das Wetter wieder; ein Regenbogen zeugt noch von dem nach Osten abgezogenen dritten Schauer.
18.30:
Erste Infos im Web zeigen, dass es in Bonn beträchtliche Schäden gegeben hat. Das Ganze war letztlich ein Downburst im Abwindbereich der Gewitterzelle. Ein Video-Loop bei Wetteronline belegt, dass die Gewitterzelle sich um kurz vor 17 Uhr unmittelbar westlich von Bonn gebildet hatte. 15 Minuten später war sie voll entwickelt und lag genau über der Stadt. Apropos Wetteronline: genau vor deren Zentrale an der Graurheindorfer Straße sind mehrere Bäume auf die Straße gestürzt. Dabei ist eine Frau in ihrem Auto eingeklemmt worden. Zum Glück bleibt dies der einzige Personenschaden, obwohl das Unwetter mitten im Berufsverkehr zugeschlagen hat. In den Wetterforen gibt es diverse Postings über weitere Schäden, hauptsächlich an Bäumen und Autos. Am Probsthof ist ein Bushäuschen durch einen Baum zerstört worden, der Straßenbahnverkehr ruht, weil mehrere Oberleitungen zerrissen sind. Schließlich stehen einige Unterführungen und zahllose Keller unter Wasser. Gut möglich, dass der Mann auf dem Fahrrad, der mich auf die Schäden im Hofgarten hingewiesen hatte, einer der Forumsteilnehmer ist.
Bei meinen Eltern ist das Wasser inzwischen von der Terrasse abgelaufen, nur im Keller steht noch eine kleinere Pfütze, die aber auch auf dem Rückzug ist. Im Bürokeller ist übrigens alles trocken - das könnte daran liegen, dass das Grundwasser hier wegen der nahen U-Bahn abgesenkt wird.
19.45:
Es ist jetzt angenehm abgekühlt, aber noch so mild, dass man im Lenné-Snack draußen sitzen kann. Die Mädels haben hier wohl Unmengen von Wasser von den Tischen wischen müssen; sonst ist nichts passiert.
20.40:
Nach dem Sturm friedliche Abendstimmung im Garten hinter dem Büro. Und die Schwalben fliegen wieder hoch - also wohl kein weiteres Gewitter im Anzug, wenn die Vögel sich nicht irren. Vom blauen Himmel scheint der Mond, und knapp links davon müsste der Saturn stehen. Ich mache eine Bilderserie mit unterschiedlichen Einstellungen, doch auf keinem der Fotos ist der Ringplanet auch nur zu erahnen. Selbst im Fernglas lässt er sich nicht blicken. Eigentlich nicht überraschend, denn die Sonne ist noch gar nicht untergegangen. Hinzu kommt, dass die Luft immer noch feucht und das Seeing mithin schlecht ist - selbst die Venus wäre jetzt nur mit Schwierigkeiten zu erkennen.
21.15:
Der Eintritt des Saturn hinter den Mond steht unmittelbar bevor. Obwohl es in der letzten halben Stunde merklich dämmriger geworden ist, ist der Ringplanet weder im Fernglas noch auf Digitalfotos erkennbar. Zum Glück gibt es ja noch die 5 Webcams von AstroNation, von denen immerhin zwei dank klarem Himmel Bilder liefern. Da die beiden Standorte im süddeutschen Raum liegen, findet das Bedeckungsereignis dort einige Minuten später als in Bonn statt, sodass ich es via Internet noch verfolgen kann.
22.20:
Nach Sonnenuntergang ist die Luft abgekühlt; bei der hohen Luftfeuchtigkeit führt das zu Hochnebelbildung. 2 Minuten vor dem Zeitpunkt, an dem der Austritt des Saturns hier in Bonn beginnen soll, lässt sich der Mond noch einmal kurz in einer kleinen Wolkenlücke blicken, ehe er sich für diesen Abend verabschiedet. Erneut profitiere ich von dem Zeitvorteil gegenüber Süddeutschland und kann auch den Austritt via Webcam verfolgen.
23.00:
Mit der Saturnbedeckung hat es nicht sein sollen, aber dafür gab es heute ein fulminantes Wetterereignis zu erleben. Ich bereite einen Ausschnitt des Videos von 17.05 Uhr als MP4 auf, setze das online und poste den Download-Link in ein paar Astro- und Wetterforen. Zum Abschluss dieses spannenden Tages wird dann noch ein längeres Video von den Ereignissen am Nachmittag kompiliert: MP4-Video (1m54s Laufzeit, 8.8mb).