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KATJA UND STEFAN JAGEN MOND UND JUPITER

Freitag, 23. Februar 2002, ca. 23.00 Uhr
Die Wetteraussichten für die Jupiterbedeckung in der Nacht von Freitag auf Samstag sind katastrophal. Aber da wir ohnehin bis zum frühen Morgen mit dem Auto unterwegs sein werden, machen wir uns keine allzu großen Sorgen. In absolutem Schmuddelwetter fahren wir von Bonn aus Richtung Ruhrgebiet, um eine Party in Bochum zu besuchen. Hinter Essen lässt der Regen nach, und kurz vor Bochum reisst der Himmel auf. Jetzt, kurz vor 21 Uhr steht der Mond noch rund 3 Grad von Jupiter entfernt. -
00.00: Partytime
Wir machen uns irgendwie immer noch keine Sorgen, obwohl zwischendurch neu ankommende Gäste von einem Hagelschauer berichten. Wie geplant brechen wir kurz vor 3 Uhr auf, um uns einen Beobachtungsort am Abhang des Bergischen Landes bei Mettmann zu suchen. Trotz geschlossener Wolkendecke inspiziert Katja noch einmal ihr Fernglas, an dem noch Wüstensand haftet. Als wir bei Essen von der A 40 auf die A 52 wechseln, reissen die Wolken plötzlich auf. Und sofort wird im Westen der Mond sichtbar, und dicht daneben der strahlend helle Jupiter. Nach dem heftigen Regen ist der Himmel in der Tat kristallklar. Aber es sind eben nur Wolkenlücken und die verändern rasend schnell ihre Position. Kurz erwägen wir, im Bereich Mülheim/Essen hinter einer Wolkenlücke herzufahren, verwerfen das dann aber, weil es nur noch über eine halbe Stunde bis zur Bedeckung ist. Als wir die Ruhr überqueren, wird unsere Entscheidung bestätigt. Richtung Düsseldorf ist der Himmel dunkel, eine große wolkenfreie Zone kommt von Westen her auf uns zu. Bei Breitscheid auf die A3, aber was ist denn das da im Süden? Große Wolkenbänke mit Wetterleuchten! Der Beobachtungsort Mettmann wird verworfen, und wir entscheiden uns für Ratingen. -
03.30: Beobachtungsort Ratingen.
Wir fahren zunächst auf die historische Altstadt zu. Trotz der Straßenbeleuchtung und der Nähe zum Mond ist Jupiter völlig problemlos zu sehen. Zum Glück kenne ich Ratingen relativ gut. Wir fahren auf die Ringstraße. Katja weist auf die rechter Hand liegende und angestrahlte Wasserburg mit dem schönen Namen "Haus zum Haus" hin, und in der gleichen Sekunde entscheiden wir: das ist unser Beobachtungsort! Angesehen von den Strahlern, die die Burg erleuchten und den spärlichen Lampem entlang der Fußwege, die durch das Areal führen, ist es hier für eine städtische Lage erstaunlich dunkel. Die Parkbäume stören etwas, aber nach ein paar Minuten haben wir eine Stelle gefunden, an der wir alle Lampen im Rücken und keine Bäume vor uns haben. -
03.40: Die Spannung steigt.
Es ist ziemlich kalt und windig. Außer uns scheinen nur die Enten und Gänse auf dem Burggraben aktiv zu sein. Jedenfalls hören wir permanentes Geschnatter. Noch eine viertel Stunde. In meinem 10 x 40 Glas ist Jupiter einwandfrei als kleines Scheibchen erkennbar, aber selbst das 8 x 30 von Katja reicht vollkommmen aus, 42 Bogensekunden sind eine ganze Menge. Mit bloßem Auge wirkt der Planet jetzt doch etwas unscheinbar, der helle Mond im 2. Viertel überstrahlt ihn deutlich. Was ist denn das? Da kommen doch von Westen ein paar Wölkchen angebraust, und das keine 10 Minuten vor der Bedeckung. Glück gehabt, die sind so schnell, dass sie nach 3 Minuten schon durchgerauscht sind und außerdem so dünn, dass Jupiter hindurchscheint. Noch 5 Minuten ....
03.52: Jupiter verschwindet.
Katjas Uhr zeigt jetzt 3.48 Uhr an. Hm, da sind wieder neue Wölkchen, ob das hinhaut ... die Sekunden kriechen jetzt nur so vor sich hin. Mit bloßem Auge ist Jupiter direkt neben dem Mond zu einem unscheinbaren Sternchen geworden. Aber der Blick durch das Fernglas zeigt: noch ist das Scheibchen komplett. So allmählich müsste doch .. Ja, jetzt wird der Planet angeknabbert, Sekunde um Sekunde wird das Scheibchen kleiner. Jetzt haben wir schon "Halbjupiter". Im gleichen Augenblick schiebt sich von links unten ein freches Wölkchen ins Blickfeld und zieht vor den immer leuchtschwächeren Jupiter. Mit stoischer Ruhe bewegt sich derweil der Mond weiter vor, der Rest vom Jupiter ist nur noch ein heller Lichtpunkt, und dann ..... im Augenblick der endgültigen Bedeckung senkt sich der Wolkenvorhang über die Bühne! Nur für ein paar Sekunden, dann ist der Mond wieder da und Jupiter ist weg.-
04.15: Ausklang an einer Nachttankstelle.
Wenn wir den Austritt noch beobachten wollen, benötigen wir unbedingt einen anderen, höher gelegenen Beobachtungsort. Wir fahren auf die Landstraße Richtung Wülfrath. Mitten in der freien Landschaft stoßen wir auf eine offene Tankstelle, die wir sofort ansteuern, weil das Benzin nicht bis Bonn reichen wird. Na sowas, der Himmel hat sich in den letzten Minuten völlig zugezogen, haben wir ein Glück gehabt! Aus der Tankpause wird dann eine Essenspause und eine nette Plauderei mit dem Tankwart. Katjas Augen leuchten - es war Ihre erste Planetenbedeckung. Zwischendurch eine Blick raus: keine Chance mehr, alles dicht. Wir futtern gemütlich zuende und machen uns mehr als zufrieden auf den Heimweg.
17.00: Wir hatten unverschämtes Glück!
Wir sind wirklich Glückskinder .... ein Blick in die Foren von Astronomie.de und AKM ist ziemlich frustrierend. Nicht nur, dass es vielerorts total bewölkt war, einige Beobachter hatten das Pech, dass sich ausgerechnet in den entscheidenden Minuten Wolken vor den Mond geschoben haben. Ganz gute Bedingungen herrschten wohl, wie vorhergesagt, in Schleswig-Holstein. Aus Hamburg wird sogar eine erfolgreiche Beobachtung des Austritts gemeldet.